Die Milchverpackung

Ein Mensch erblickt das Licht der Welt,
liegt da, wie aus dem Ei gepellt,
und demonstriert schon selbstbewusst
den Anspruch auf die Mutterbrust;
und somit steckt er mittendrin
im Milch-Verpackungs-Marketing

Die Milch, die man ihm hier serviert,
ist immer richtig temperiert
Und die Verpackung ist bekanntlich
Schon vom Format beliebt und handlich,
sie wird geschätzt von jedermann,
und auch die Katze kommt nicht dran.

Der Mensch genießt so lang wie möglich,
die gute Milch, drei-, viermal täglich
und schwärmt als Greis, mit langem Bart,
noch oft von der Verpackungsart.
Die Vaterbrust, steht hier verzeichnet,
ist weniger dazu geeignet.
Denn erstens mangelt es an Zeit
Und zweitens an Ergiebigkeit.

Doch eines Tages, das steht fest,
verlässt der Mensch sein warmes Nest und muss dann
selber jeden Morgen sich seine Milchration besorgen.
Der Mensch besucht zu diesem Zwecke
Die Tante Emma an der Ecke.
Hier kauft er unter anderem auch
2 Liter Milch im Plastikschlauch.
Doch dann begibt sich unser Mensch
Zurück nach Haus zu seiner Ranch.
Auf einmal merkt er ganz schockiert,
wie sein Gepäck Gewicht verliert,
und sieht, als er nach hinten schielt,
wie sich die Milch von dannen stiehlt.

Vom Hausflur bis zur Tante Emma
Sieht man die Spur von dem Dilemma.
Es folgen ihm aus diesem Grund
1 Pferd, 2 Katzen und 1 Hund.
Ein Herr spricht grad zu seinem Sohne:
Schau an, da kommt der „Zirkus Krone“.
Der Mensch ist ratlos und enttäuscht,
die Milch ist weg – die Tasche feucht,
und untern drin ein kleiner See,
darinnen schwimmt das Portemonnaie.

Der Mensch holt sich am nächsten Tag
Die Milch im Pappkarton-Verschlag
Und bringt sie diesmal unversehrt
Zum heimatlichen Küchenherd.

Doch da die Pappe nicht von Pappe,
erlebt der Mensch die nächste Schlappe.
Denn die Verpackung mit Komfort
Entpuppt sich diesmal als Tresor.
Er zupft mal da und reißt mal hier,
versucht`s mit einem „Korkenzieh`r“.
`Nen Hammer holt er noch dazu,
der Inhalt bleibt für ihn tabu.

Der Büchsenöffner und die Schere
Verändern nicht`s an der der Misere.
Nun wird der Mensch ein wenig kecker,
versucht`s mit seiner „Black und Decker“.
Die Wirkung bleibt indes nicht aus,
vorn schießt er rein und hinten raus,
und schnell verströmt die weiße Sauce
zuerst auf`s Hemd, dann auf die Hose.
Ab morgen, denkt der arme Knilch,
stell ist mich um auf Flaschenmilch;
denn Flaschenmilch – hat er vernommen –
ist wieder „in“ und schwer im Kommen.
Sogar im alten und neuen Parlament
Spricht man von diesem neuen Trend.

Als nun der Mensch vier Wochen älter,
nimmt er die leeren Milch-Behälter,
schleppt sie zum Kaufmann kurzerhand
und freut sich schon auf`s Flaschenpfand.
Doch der zerstört mit einem Schlag
Die Hoffnung auf den Geldbetrag.
Mein Herr – es wird sie überraschen,
die Pullen das – sind Einweg-Flaschen,
und darauf gibt es keinen Pfand
grüß Gott, mein Herr, und küss die Hand!
Dem armen Menschen hilft jetzt nur:
Verständnis bei der Müllabfuhr.

Doch hat der Mensch seit gestern Ruh,
vor seinem Hause parkt `ne Kuh,
er melkt sie selber höchstpersönlich,
das ist zwar äußerst ungewöhnlich,
doch ist die Frische garantiert, der Rasen immer glattrasiert.
Viel Ärger hat er sich erspart,
- und mehrmals täglich gibt’s Spinat.

                                                                                         frei nach Eugen Roth